Produktfotos selbst machen: Ablauf für mehrere hundert Artikel
Ein Fotograf kostet für einen Produkttag zwischen 800 und 2.000 Euro und schafft dabei je nach Aufwand 30 bis 80 Artikel. Bei einem Sortiment von 700 Produkten reden wir über einen fünfstelligen Betrag, und das ist für die meisten kleinen Betriebe keine Option.
Die gute Nachricht: Bei Produkten, die freigestellt vor weißem Hintergrund stehen sollen, ist der Unterschied zwischen professionellen Fotos und guten eigenen Fotos kleiner, als viele denken. Der Aufwand liegt nicht in der Technik, sondern in der Wiederholung.
Dieser Artikel beschreibt einen Ablauf, mit dem sich mehrere hundert Produkte in überschaubarer Zeit selbst fotografieren lassen.
Was Sie brauchen
Weniger, als Sie vermuten.
Eine Lichtbox. Ein Aufbau mit Stoffbespannung und LED-Leisten. Für Artikel bis etwa 40 Zentimeter Kantenlänge reicht ein Modell für 100 bis 200 Euro. Die Box löst das eigentliche Problem: gleichmäßiges Licht ohne harte Schatten, jeden Tag identisch.
Ein Stativ. Nicht wegen der Verwacklung, sondern wegen der Wiederholbarkeit. Wenn Kamera und Box fest stehen, sitzt jedes Produkt an derselben Stelle im Bild. Das spart später die meiste Nachbearbeitung.
Eine Kamera. Ein aktuelles Smartphone reicht für Shopbilder aus. Wichtiger als die Kamera ist, dass Sie im gleichen Modus bleiben und den automatischen Weißabgleich sperren, damit die Farben über alle Aufnahmen gleich bleiben.
Das war es. Reflektoren, Blitze und Objektive brauchen Sie für freigestellte Produktfotos nicht.
Der Ablauf, der den Unterschied macht
Der häufigste Fehler ist, jedes Produkt einzeln zu Ende zu bearbeiten: aufbauen, fotografieren, freistellen, hochladen, nächstes Produkt. Das dauert ewig und ist nach vierzig Artikeln nicht mehr auszuhalten.
Trennen Sie die Arbeitsschritte stattdessen sauber:
- Vorbereiten. Alle Produkte einer Sitzung bereitstellen, reinigen, Etiketten gerade ausrichten. Bei Verpackungen: Staub und Fingerabdrücke kosten später mehr Zeit als das Abwischen.
- Fotografieren. Am Stück, ohne Unterbrechung. Ein Produkt rein, zwei bis drei Aufnahmen, raus, nächstes. Notieren Sie die Reihenfolge, dann können Sie die Dateien später zuordnen, ohne jedes Bild einzeln anzuschauen.
- Aussortieren. Einmal komplett durchgehen und je Produkt die beste Aufnahme markieren.
- Bearbeiten. Alle Bilder in einem Rutsch, mit denselben Einstellungen.
- Benennen und hochladen. Ebenfalls am Stück.
In dieser Reihenfolge schaffen Sie an einem Tag deutlich mehr Artikel als beim ständigen Umschalten zwischen den Tätigkeiten.
Wo KI wirklich hilft
Bei der Nachbearbeitung, nicht bei der Aufnahme. Drei Dinge nehmen Ihnen aktuelle Werkzeuge zuverlässig ab:
Freistellen. Hintergrund entfernen geht heute in Sekunden und funktioniert bei klaren Konturen nahezu fehlerfrei. Vorsicht bei durchsichtigen Verpackungen, glänzenden Oberflächen und feinen Strukturen. Dort müssen Sie nachschauen.
Ausrichten und Zuschneiden. Bilder auf einheitliches Format bringen, Produkt zentrieren, Rand angleichen.
Kleine Korrekturen. Staubkörner, ein Kratzer auf der Unterlage, ein Stück Klebeband.
Wo Sie aufpassen müssen: Generative Werkzeuge erfinden gern Details dazu. Bei einem Etikett kann das dazu führen, dass Text verändert wird. Bei Lebensmitteln sind Angaben auf der Verpackung rechtlich relevant. Kontrollieren Sie jedes Bild, bei dem Text zu sehen ist.
Und die klare Grenze: Das Produktfoto muss zeigen, was der Kunde bekommt. Ein KI-verbessertes Bild, das größer, voller oder anders aussieht als die echte Ware, ist irreführend.
Dateinamen und Alt-Texte
Der Teil, der beim Fotografieren nichts kostet und später viel bringt.
Dateinamen beschreiben das Produkt: kaffee-hausmischung-250g-dose.jpg statt IMG_4471.jpg. Kleinbuchstaben, Bindestriche, keine Umlaute.
Alt-Texte beschreiben, was zu sehen ist, in einem Satz und ohne Keyword-Stapelung. Sie dienen zuerst der Barrierefreiheit und erst danach der Suchmaschine.
Bei mehreren hundert Produkten lohnt es sich, das gleich beim Hochladen richtig zu machen. Nachträglich ist es eine der undankbarsten Aufgaben überhaupt.
Wie viele Bilder je Produkt
Drei sind ein guter Richtwert: eine Hauptaufnahme freigestellt, eine Detailaufnahme, eine Aufnahme, die die Größe einordnet.
Bei Lebensmitteln kommt ein viertes dazu: die Rückseite mit Zutatenliste und Nährwerten. Das ist nicht nur Service, sondern deckt einen Teil der Pflichtangaben ab und spart Ihnen Nachfragen.
Wann Sie doch einen Fotografen brauchen
Bei allem, was nicht in eine Box passt oder Atmosphäre transportieren soll: Bilder mit Menschen, Aufnahmen im Laden, Stimmungsbilder für die Startseite, Porträts für die Team-Seite.
Der sinnvolle Weg ist deshalb geteilt: Katalogbilder machen Sie selbst, weil es dabei auf Gleichmäßigkeit und Menge ankommt. Für die zehn Bilder, die Ihre Marke transportieren, holen Sie jemanden dazu. Das ist ein halber Tag statt zehn.
Kurz zusammengefasst
- Lichtbox und Stativ lösen 90 Prozent des Problems
- Arbeitsschritte trennen statt Produkt für Produkt abschließen
- KI hilft beim Freistellen und Zuschneiden, nicht beim Fotografieren
- Bilder mit Text auf der Verpackung immer gegenprüfen
- Dateinamen und Alt-Texte sofort richtig setzen
- Für Marken- und Stimmungsbilder lohnt der Fotograf
