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Von Shopware zu Shopify migrieren: was mitkommt und was neu gebaut wird

Von Shopware zu Shopify migrieren: was mitkommt und was neu gebaut wird

Shopware und Shopify lösen dieselbe Aufgabe auf unterschiedliche Weise. Ein Umzug ist deshalb kein Export und Import, sondern eine Übersetzung. Manches lässt sich eins zu eins übertragen, anderes muss neu gedacht werden.

Wer das vorher weiß, plant richtig. Wer es unterwegs merkt, verliert Zeit an Stellen, an denen niemand damit gerechnet hat. Dieser Beitrag geht die Stellen der Reihe nach durch.

Warum gerade jetzt so viele wechseln

Für Shopware 5 gibt es seit Sommer 2024 keine Sicherheitsupdates mehr. Wer noch darauf verkauft, steht vor der Wahl: Umzug auf Shopware 6, was technisch fast ein Neuaufbau ist, oder gleich der Wechsel auf ein anderes System. Viele nutzen die Gelegenheit, um sich von Server, Hosting und Plugin-Updates ganz zu verabschieden. Bei Shopify liegt all das beim Anbieter.

Shopware und Shopify im Vergleich der Begriffe

Vieles heißt anders und funktioniert ein wenig anders. Diese Übersicht hilft bei der Planung:

Shopware Shopify Was das für den Umzug heißt
Kategorien, beliebig tief Kollektionen, ohne Hierarchie Baum wird über Menüs, automatische Kollektionen und Tags abgebildet
Eigenschaften und Zusatzfelder Metafelder und Metaobjekte müssen angelegt und im Theme ausgegeben werden
Varianten mit vielen Optionen höchstens drei Optionen je Produkt komplexe Varianten werden umgebaut
Erlebniswelten Sections im Theme Inhalte werden im Theme-Editor neu aufgebaut
Plugins Apps für jede Funktion prüfen: Bordmittel, App oder entfällt
Kundengruppen und Staffelpreise Kundentags, Rabatte, B2B-Funktionen oder Apps je nach Tarif unterschiedlich gelöst

Was sich übertragen lässt

Produkte mit Name, Beschreibung, Preis, Bildern und Bestand. Das ist der unproblematische Teil.

Kunden mit Anschrift und Bestellhistorie. Die Historie kommt als Datensatz mit, damit Ihre Auswertungen weiterlaufen.

Bestellungen als Archiv. Sie können sie in Shopify ansehen, aber nicht rückwirkend bearbeiten.

Seitentitel und Beschreibungen für Suchmaschinen, sofern sie in Shopware gepflegt waren. Die nehmen wir immer mit, weil sie über Jahre gewachsene Arbeit sind.

Was neu gebaut werden muss

Der Kategoriebaum

Shopware kennt beliebig tief verschachtelte Kategorien. Shopify kennt Kollektionen ohne Hierarchie. Eine Kategorie in vierter Ebene lässt sich abbilden, aber nicht als Baum, sondern über Menüs, automatische Kollektionen und Tags.

Das klingt nach Verlust und ist meistens ein Gewinn. Tief verschachtelte Kategorien werden von Kunden selten benutzt und von Google schlecht bewertet, weil die unteren Ebenen kaum Verweise bekommen. Der Umzug ist eine gute Gelegenheit, aus zwanzig halbleeren Unterkategorien sechs starke Kollektionen zu machen. Wie die aussehen sollten, steht im Beitrag Shopify-Kollektionsseiten, die ranken.

Eigenschaften und Zusatzfelder

Die Eigenschaften und Zusatzfelder aus Shopware heißen in Shopify Metafelder. Sie funktionieren anders und müssen im Theme ausgegeben werden. Wer viele Zusatzfelder pflegt, etwa Material, Maße, Herkunft oder Pflegehinweise, sollte hier den größten Teil der Umbauzeit einplanen. Der Aufwand lohnt sich: Einheitlich gepflegte Felder machen Produktseiten vergleichbar und lassen sich später als Filter nutzen.

Varianten

Shopify erlaubt höchstens drei Optionen je Produkt, etwa Größe, Farbe und Material. Shopware-Produkte mit mehr Optionen müssen aufgeteilt oder anders strukturiert werden. Das ist selten ein Problem, muss aber vor dem Import entschieden werden, nicht danach.

Erlebniswelten und Plugins

Die Erlebniswelten aus Shopware haben in Shopify keine direkte Entsprechung. Was dort als Baukasten gepflegt wurde, wird hier zu Sections im Theme, die Sie im Editor zusammenstellen.

Für Plugins gilt: Wir gehen jedes einzeln durch. Was Shopify von Haus aus kann, ersetzen wir durch Bordmittel. Was eine App braucht, bekommt eine. Und was niemand mehr nutzt, entfällt. Am Ende bleibt fast immer weniger übrig als vorher.

Die Kundenpasswörter

Passwörter kommen nicht mit. Das ist eine Folge davon, dass beide Systeme sie verschlüsselt und nicht rückrechenbar speichern. Niemand kann sie auslesen, auch Sie nicht.

Ihre Kunden setzen also einmal ein neues Passwort, oder sie melden sich mit den neuen Kundenkonten von Shopify per Einmalcode an, ganz ohne Passwort. Kündigen Sie den Wechsel an, bevor der neue Shop online geht, und schicken Sie danach eine Einladungsmail. Wer sie vergisst, bekommt in der ersten Woche viele Anrufe.

Der Weiterleitungsplan

Shopware und Shopify bauen Adressen unterschiedlich auf. Aus einer Produktadresse wird in Shopify immer eine Adresse mit /products/, aus einer Kategorie eine mit /collections/. Praktisch ändert sich damit jede einzelne Adresse Ihres Shops.

Ohne Weiterleitungen landet jeder Besucher, der über Google kommt, auf einer Fehlerseite. Ihre Rankings brechen dann innerhalb weniger Wochen ein, und der Aufbau danach dauert Monate.

Der Plan entsteht aus zwei Listen: allen Adressen des alten Shops, gezogen aus der Sitemap und aus der Search Console, und allen Adressen des neuen. Jede alte Adresse bekommt genau ein Ziel. Adressen ohne Entsprechung zeigen auf die nächstliegende Kategorie, nicht auf die Startseite.

Die Frage ist nie, ob nach einem Umzug Rankings schwanken. Die Frage ist, ob sie nach drei Wochen zurückkommen. Das entscheidet der Weiterleitungsplan.

Schnittstellen nicht vergessen

Shopware-Shops hängen oft an einer Warenwirtschaft, einer Buchhaltung oder einem Versanddienstleister. Diese Verbindungen ziehen nicht automatisch mit. Für die meisten gängigen Systeme gibt es Apps für Shopify, manche müssen neu gebaut werden. Wie die Belege danach sauber in DATEV oder Lexware ankommen, steht im Beitrag Shopify an die Buchhaltung anbinden.

Die Reihenfolge eines Umzugs

  1. Bestandsaufnahme: Produkte, Kategorien, Zusatzfelder, Plugins, Schnittstellen, Adressen
  2. Shopify aufsetzen und das Theme bauen, bevor Daten fließen
  3. Produkte und Kunden übertragen, zuerst als Stichprobe, dann vollständig
  4. Weiterleitungsplan aufstellen und gegen die alte Sitemap prüfen
  5. Schnittstellen zu Warenwirtschaft und Buchhaltung anbinden und testen
  6. Umschalten, Weiterleitungen scharf schalten, Einladungsmail an die Kunden
  7. Vier Wochen die Search Console beobachten und Fehlerseiten nachziehen

Diesen Weiterleitungsplan erstellen wir bei jeder Migration zu Shopify vollständig, damit keine alte Adresse ins Leere läuft. Sie kommen von WooCommerce statt Shopware? Dann lesen Sie Von WooCommerce zu Shopify migrieren.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Umzug von Shopware zu Shopify?

Je nach Umfang meist zwei bis vier Wochen, kleine Shops manchmal eine. Die meiste Zeit kosten nicht die Produkte, sondern Zusatzfelder, Varianten und der Weiterleitungsplan.

Kann ich Shopware 6 statt Shopify nehmen?

Natürlich. Wer viele Eigenentwicklungen hat und einen eigenen Entwickler beschäftigt, ist bei Shopware 6 gut aufgehoben. Wer Server, Updates und Plugin-Pflege loswerden möchte, ist mit Shopify meist günstiger unterwegs.

Verliere ich meine Bewertungen?

Produktbewertungen lassen sich übernehmen, wenn sie aus Shopware exportierbar sind. Google-Bewertungen hängen am Unternehmensprofil und sind vom Umzug nicht betroffen.

Kurz zusammengefasst

  • Produkte, Kunden, Bestellungen und SEO-Daten kommen mit, Passwörter nicht
  • Verschachtelte Kategorien werden zu Kollektionen und Tags, das ist meist ein Gewinn
  • Eigenschaften werden zu Metafeldern und brauchen Arbeit im Theme
  • Shopify erlaubt drei Optionen je Produkt, komplexe Varianten vorher umplanen
  • Jede Adresse ändert sich, ohne Weiterleitungsplan verlieren Sie Ihre Rankings

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