Von Shopware zu Shopify migrieren: was mitkommt und was neu gebaut wird
Shopware und Shopify lösen dieselbe Aufgabe auf unterschiedliche Weise. Ein Umzug ist deshalb kein Export und Import, sondern eine Übersetzung. Manches lässt sich eins zu eins übertragen, anderes muss neu gedacht werden.
Wer das vorher weiß, plant richtig. Wer es unterwegs merkt, verliert Zeit an Stellen, an denen niemand damit gerechnet hat.
Was sich übertragen lässt
Produkte mit Name, Beschreibung, Preis, Bildern und Bestand. Das ist der unproblematische Teil.
Kunden mit Anschrift und Bestellhistorie. Die Historie kommt als Datensatz mit, damit Ihre Auswertungen weiterlaufen.
Bestellungen als Archiv. Sie können sie in Shopify ansehen, aber nicht rückwirkend bearbeiten.
Kategorien werden zu Kollektionen. Die Struktur bleibt erhalten, die Logik dahinter ändert sich.
Was neu gebaut werden muss
Shopware kennt beliebig tief verschachtelte Kategorien. Shopify kennt Kollektionen ohne Hierarchie. Eine Kategorie in vierter Ebene lässt sich abbilden, aber nicht als Baum, sondern über automatische Kollektionen und Tags.
Das klingt nach Verlust und ist meistens ein Gewinn. Tief verschachtelte Kategorien werden von Kunden selten benutzt und von Google schlecht bewertet, weil die unteren Ebenen kaum Verweise bekommen.
Ebenfalls neu: die Eigenschaften und Zusatzfelder aus Shopware. In Shopify heißen sie Metafelder, funktionieren anders und müssen im Theme ausgegeben werden. Wer viele Zusatzfelder pflegt, sollte hier den größten Teil der Umbauzeit einplanen.
Auch die Erlebniswelten aus Shopware haben in Shopify keine direkte Entsprechung. Was dort als Baukasten gepflegt wurde, wird hier zu Sections im Theme.
Die Kundenpasswörter
Passwörter kommen nicht mit. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine Folge davon, dass beide Systeme sie verschlüsselt und nicht rückrechenbar speichern. Niemand kann sie auslesen, auch Sie nicht.
Ihre Kunden müssen also einmal ein neues Passwort setzen. Kündigen Sie das an, bevor der neue Shop online geht, und schicken Sie danach eine Einladungsmail. Shopify hat dafür eine eingebaute Funktion. Wer sie vergisst, bekommt in der ersten Woche viele Anrufe.
Der Weiterleitungsplan
Shopware und Shopify bauen Adressen unterschiedlich auf. Aus einer Produktadresse wird in Shopify immer eine Adresse nach dem Muster mit dem Zusatz products, aus einer Kategorie eine mit collections. Praktisch ändert sich damit jede einzelne Adresse Ihres Shops.
Ohne Weiterleitungen landet jeder Besucher, der über Google kommt, auf einer Fehlerseite. Ihre Rankings brechen dann innerhalb weniger Wochen ein, und der Aufbau danach dauert Monate.
Der Plan entsteht aus zwei Listen: allen Adressen des alten Shops, gezogen aus der Sitemap und aus der Search Console, und allen Adressen des neuen. Jede alte Adresse bekommt genau ein Ziel. Adressen ohne Entsprechung zeigen auf die nächstliegende Kategorie, nicht auf die Startseite.
Die Reihenfolge eines Umzugs
- Bestandsaufnahme: Produkte, Kategorien, Zusatzfelder, Schnittstellen, Adressen
- Shopify aufsetzen und das Theme bauen, bevor Daten fließen
- Produkte und Kunden übertragen, zuerst als Stichprobe, dann vollständig
- Weiterleitungsplan aufstellen und gegen die alte Sitemap prüfen
- Schnittstellen zu Warenwirtschaft und Buchhaltung anbinden und testen
- Umschalten, Weiterleitungen scharf schalten, Einladungsmail an die Kunden
- Vier Wochen die Search Console beobachten und Fehlerseiten nachziehen
Kurz zusammengefasst
- Produkte, Kunden und Bestellungen kommen mit, Passwörter nicht
- Verschachtelte Kategorien werden zu Kollektionen und Tags, das ist meist ein Gewinn
- Eigenschaften und Zusatzfelder werden zu Metafeldern und brauchen Arbeit im Theme
- Jede Adresse ändert sich, ohne Weiterleitungsplan verlieren Sie Ihre Rankings
- Die Einladungsmail zum Passwort neu setzen nicht vergessen
