Migration01.09.2026 4 Minuten Lesezeit

Von WooCommerce zu Shopify migrieren: Ablauf und Weiterleitungsplan

Von WooCommerce zu Shopify migrieren: Ablauf und Weiterleitungsplan

Der Wechsel von WooCommerce zu Shopify scheitert selten an den Produkten. Die sind meist in einem Tag übertragen. Er scheitert an den Adressen.

WooCommerce und Shopify bauen ihre URLs unterschiedlich auf. Wer das ignoriert, hat nach dem Umzug einen schönen Shop, dessen Produktseiten unter Adressen liegen, die Google noch nie gesehen hat. Die alten Adressen laufen ins Leere, die Rankings fallen, und der Umsatz fällt mit.

Dieser Artikel beschreibt den Ablauf und legt den Schwerpunkt auf den Teil, der wirklich über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Was mit umzieht

Grundsätzlich lassen sich übertragen: Produkte samt Varianten, Bildern und Beschreibungen, Kategorien, Kundenkonten, Bestellhistorie, Blogbeiträge und statische Seiten.

Was nicht mitkommt: Passwörter. Die liegen verschlüsselt und sind nicht übertragbar. Ihre Kunden müssen sich neue vergeben. Planen Sie dafür eine Info-Mail ein, sonst häufen sich nach dem Umzug die Support-Anfragen.

Ebenfalls nicht: Plugin-Funktionen. Jedes WooCommerce-Plugin, das mehr tut als Daten speichern, muss auf der Shopify-Seite neu gelöst werden. Das ist der Punkt, an dem Migrationen teurer werden als geplant. Machen Sie vorher eine Liste Ihrer aktiven Plugins und prüfen Sie jedes einzeln.

Der URL-Unterschied

Shopify erzwingt eine feste Struktur. Produkte liegen immer unter /products/, Kategorien unter /collections/, Blogbeiträge unter /blogs/ plus Blogname. Daran lässt sich nichts ändern.

WooCommerce ist frei konfigurierbar. Typische Muster sind /produkt/name/, /shop/name/, /produkt-kategorie/name/ oder gar keine Vorsilbe.

Das heißt: Praktisch jede URL Ihres Shops ändert sich. Nicht nur die Produkte, sondern auch Kategorien, Blogbeiträge und Seiten.

Der Weiterleitungsplan

Das ist das Kernstück. Erledigen Sie es vor dem Umzug, nicht danach.

Schritt 1: Alle alten Adressen erfassen. Nutzen Sie ein Crawling-Werkzeug und exportieren Sie zusätzlich die Adressen aus der Google Search Console. Der Crawl findet, was verlinkt ist. Die Search Console findet auch das, was Google kennt, aber nicht mehr verlinkt ist. Sie brauchen beides.

Schritt 2: Nach Wert sortieren. Ziehen Sie sich Klicks und Impressionen aus der Search Console. Bei einem Shop mit tausend URLs bringen erfahrungsgemäß fünfzig davon den Großteil des Traffics. Die prüfen Sie später einzeln, den Rest in Stichproben.

Schritt 3: Zuordnung erstellen. Eine Tabelle mit zwei Spalten: alte Adresse, neue Adresse. Jede alte Adresse bekommt genau ein Ziel.

Die üblichen Muster:

  • Produkt: /produkt/artikelname/ wird zu /products/artikelname
  • Kategorie: /produkt-kategorie/name/ wird zu /collections/name
  • Blogbeitrag: /blog/beitrag/ wird zu /blogs/news/beitrag
  • Seite: /ueber-uns/ wird zu /pages/ueber-uns

Bei einheitlicher Struktur lässt sich das mit einer Formel in der Tabelle erzeugen. Rechnen Sie trotzdem mit Ausreißern.

Schritt 4: Weiterleitungen anlegen. Shopify hat dafür einen eigenen Bereich unter Onlineshop und Navigation. Sie können die Liste als CSV importieren.

Die vier Fehler, die richtig wehtun

Weiterleitung auf die Startseite. Wer alle nicht zuordenbaren Adressen pauschal auf die Startseite schickt, wertet sie faktisch als Fehlerseiten. Wenn es kein passendes Ziel gibt, ist eine saubere 404-Seite besser als eine falsche Weiterleitung.

Ketten. Alte Adresse zeigt auf mittlere Adresse zeigt auf neue Adresse. Jede Station kostet Zeit und Klarheit. Leiten Sie immer direkt aufs Endziel.

Bilder vergessen. Bilder haben eigene Adressen und stehen bei manchen Shops in der Bildersuche. Wenn Sie mit Bildersuche Traffic bekommen, brauchen auch die Bilder Weiterleitungen.

Kategorien vergessen. Der Fokus liegt meist auf Produkten, dabei ranken Kategorieseiten oft besser, weil sie auf allgemeinere Begriffe zielen.

Der Ablauf am Umzugstag

  1. Shopify-Shop fertig aufgebaut und getestet, noch mit Passwortschutz
  2. Letzter Datenabgleich, damit Bestellungen der letzten Tage mitkommen
  3. Weiterleitungen importiert und stichprobenartig geprüft
  4. Domain auf Shopify umgestellt
  5. Passwortschutz entfernen
  6. Sitemap in der Search Console neu einreichen
  7. Zwanzig wichtige alte Adressen von Hand aufrufen und prüfen

Legen Sie den Umzug auf einen Wochentag am Vormittag, nicht auf Freitagabend. Wenn etwas klemmt, wollen Sie erreichbar sein und Zeit haben.

Die ersten vier Wochen danach

Ein leichter Ranking-Rückgang in den ersten zwei bis drei Wochen ist normal, auch bei sauberer Arbeit. Google muss die neuen Adressen crawlen und die Weiterleitungen verarbeiten.

Beobachten Sie wöchentlich: die Zahl der 404-Fehler in der Search Console, die Entwicklung der Klicks im Vergleich zum Vormonat, und ob die neuen Adressen indexiert werden.

Was nicht normal ist: ein Einbruch um mehr als die Hälfte oder eine steigende Zahl von 404-Fehlern nach der zweiten Woche. Dann fehlen Weiterleitungen.

Wie lange es dauert

Bei einem Shop mit einigen hundert Produkten und übersichtlicher Plugin-Landschaft: drei bis fünf Wochen. Der größte Block ist nicht die Datenübernahme, sondern der Neuaufbau der Funktionen, die vorher Plugins übernommen haben, und die Zuordnung der Adressen.

Wer schneller fertig ist, hat meist die Weiterleitungen ausgelassen. Das fällt erst nach sechs Wochen auf, wenn der Traffic weg ist.

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